Ein Lebensentwurf in Bedrängnis

Wir leben in Zeiten, in denen vieles unsicher ist.
Wenn wir in Bezug auf den Planeten, auf dem wir leben der Wissenschaft genauso vertrauen, wie wir ihr Vertrauen schenken, wenn es um die Verwendung von Technik geht, dann ist nicht nur vieles unsicher; sondern eigentlich alles.

Die gesamte Lebensweise, die darauf abzielt, als junger Mensch in sich Interessen zu entdecken, die mit der Welt korrespondieren; nur um dann sein Leben darauf zu verwenden in der Ausübung dieser Interessen besser zu werden gerät aus den Fugen. Jedwede Art zu leben, die die Zukunft als sicher zu ‚haben‘ glaubt, um sie mit Plänen zu vereinnahmen gerät ins Wanken.

Wie baut man ein Kartenhaus auf Treibsand? Und wie verliert man nicht den Glauben an das Leben, wenn die Zukunft so unsicher scheint? Wie widersteht man Appellen, die suggerieren, man müsse in Angst leben; aber verliert sich zur selben Zeit nicht in einer gefährlichen Bequemlichkeit?

Heutige Bewegungen versuchen das Problem der scheinbaren Zukunftslosigkeit als lösbar zu vermitteln, der Kampf sei – zumindest theoretisch - noch nicht verloren. Andere verharren auf dem Weg der Technologisierung aller nur zu technisierenden Lebensbereiche. Es scheint so, als sei man davon überzeugt, der Mensch könne jedwede Probleme mittels neuer Technik lösen.

In Kontrast zu den scheinbar ‚einzig hoffnungsvollen‘ Perspektiven steht die Meinung, es sei bereits zu spät die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Dass die Katastrophe längst nicht mehr abzuwenden sei und die Menschheit dieser Zukunft ins Auge blicken müsse.

Bei erster Betrachtung scheint diese Perspektive alle Hoffnung aufzugeben, so akzeptiert sie doch die Katastrophe als Teil unserer menschlichen Zukunft.

Doch tun wir nicht alltäglich etwas Ähnliches?
Wenn Regen oder Unwetter prognostiziert sind, ändern wir unser Verhalten, kleiden uns anders oder nehmen bestimmte Termine erst gar nicht wahr.
Wir vertrauen der Vorhersage der Meteorologen und akzeptieren die Vorhersage als Teil unserer Zukunft.

Was passiert also, wenn wir den Vorhersagen der Wissenschaft in Bezug auf klimatische Veränderungen auch vertrauen und von einem  Szenario ausgehen, das von uns mehr fordert als nur eine Regenjacke zu tragen?
Wenn wir die Veränderung, sei sie noch so gravierend, anerkennen als Teil unserer Zukunft, als Teil unseres Lebens?

Zur weiteren Lektüre:

Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen?
Wir müssen der Wahrheit ins Gesicht sehen, sagt Jonathan Franzen, der sich seit vielen Jahren mit Themen des Umweltschutzes beschäftigt. Das Spiel ist aus, wir werden den Klimawandel nicht mehr kontrollieren, die Katastrophe nicht verhindern können ...

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